Ulrike Rauh

„Zwölf Spaziergänge durch Venedig“

Textauszüge

„Paläste, reich verziert mit Bögen, Säulen und Balkonen, steigen aus dem Wasser; gedrechselte Pfähle davor warten auf die Gondeln. Immer dichter rankt sich das Grün um den halbfertigen weißen Palazzo Venier dei Leoni der Peggy Guggenheim. Dahinter erhebt sich die Salute aus der Lagune, ruhig und gelassen, erhaben über das emsige Treiben zu ihren Stufen. Vor mir weitet sich der Canal Grande, öffnet seine Arme, greift hinüber zur Riva degli Schiavoni, und seine Fingerspitzen spielen mit dem Lido.“

Aus: Der vierte Spaziergang, „Das Märchen Venedig“, S. 34

„Vom Café Lavena klingen Geigentöne herüber. Ich schlage einen Bogen zur Anlegestelle. Der Abend legt seinen schwarzen Mantel über die Stadt.
`Abends bei Mondschein am offenen Fenster zu sitzen und S. Maria della Salute zu betrachten – ist einfach herrlich! ´schrieb Tschaikowsky am 16. November 1877 wieder an Frau von Meck.“

Aus: Der neunte Spaziergang, „Kaffee mit Tschaikowsky“, S.78

„Mein lieber Thomas,
endlich habe ich mein Torcello wiedergefunden! Ich sitze auf einem Holzsteg vor einem schmalen Kanal. Tamariskenbüsche spenden durchlöcherten Schatten...Es ist ganz still hier – es ist eine graugrüne Stille...
Riechst Du den Duft von Torcello?
Mich bringt bald ein Zug nach Wien.
Deine venezianische Spaziergängerin“

Aus: Der zwölfte Spaziergang, Stille in Torcello, S. 99ff.

Ulrike Rauh