Ulrike Rauh

Faszination Chile

Textauszüge

In der Atacama-Wüste:
Vor mir erhebt sich eine gewaltige hohe Sandwelle: Die Große Düne. Messerscharf verläuft ihr steiler Grat bergauf. Ein Hang fällt goldgelb hinab in die Ebene, der andere wird verschluckt vom dunkellila Schatten einer Felswand.
S. 18

In jener Nacht in Puerto Natales liebten wir uns im Bewusstsein endloser graugrüner Einsamkeit, klagender, verletzter Bäume, und undurchdringlicher Stille. Als wären wir beide die einzigen Menschen hier, umgeben von grenzenloser Öde und dunklen Bergen.
S. 84

Ich habe das Land meiner Großmutter gesehen. Noch immer weiß ich nicht, warum sie hier blieb. Ich greife wieder nach dem Briefumschlag in meinem Rucksack. Zögere, Alicias Telefonnummer in Valparaiso zu wählen. Ob sie überhaupt zu Hause ist? In welcher Sprache werden wir miteinander sprechen? Schließlich wähle ich die Nummer. Warte. "Si?" Eine helle Stimme. Klar. Bestimmt. Ich nenne meinen Namen, erkläre, wer ich bin. Sage diese wenigen Worte auf Spanisch. Langes Schweigen nistet sich im Telefon ein.
S. 85

Ich sehe sie schon von weitem – einsam, starr, düster. Immer höher wachsen sie empor, die fünf Moai, verschieden groß, stehen stumm und unbeweglich auf ihrer Rampe, dem Ahu Vai Uri, wie auf einer Bühne.
S. 106

Ulrike Rauh